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Strand vom Don Cactus

Die ersten vier Wochen Überwinterung in Andalusien

Nun sind bereits vier Wochen Überwinterung auf dem Campingplatz Don Cactus vergangen, wo wir uns für ganze vier Monate eingebucht haben. Die Frage, ob wir diese Zeit hier durchhalten werden, schwebt noch im Raum. Denn wir standen noch nie so lange auf einem Platz. Doch eins war uns von Anfang an klar: Wir suchten einen sicheren Hafen für unser Überwintern.

Unsere Erfahrungen mit dem Campingplatz Don Cactus

Unsere Vorstellung von ruhigen Abenden in Andalusien wurde am ersten Wochenende kräftig durchgeschüttelt. Die Spanier, so liebenswert sie auch sind, haben eine Vorliebe für ausgelassene Wochenendfeiern. Die Klänge von Musik und lauten Gesprächen durchzogen die Luft, und unser Vorhaben, zu angemessener Zeit ins Bett zu gehen, wurde durch die andalusische Lebensfreude auf eine harte Probe gestellt. Die Vorstellung, dies vier Monate lang ertragen zu sollen, ist für uns schwierig.

Uns drängt sich der Gedanke auf, ob es im Winter in Spanien wirklich so voll ist, wie in vielen Blogs berichtet wird, denn hier auf dem Campingplatz sind noch sehr viele Plätze frei. Sollen wir wirklich 4 Monate hier absitzen und nichts tun? Unser Reiseverhalten ist ein ganz anderes und wir reisen gerne nach ein paar Tagen weiter.

Auf diesem Campingplatz erleben wir gemischte Gefühle. Kurz gesagt „Der günstige Preis von 11,76 Euro am Tag hat auch seine Schattenseiten

Top Wetter mit mehreren Tagen Sturm

Andalusien empfängt uns mit offenen Armen, vor allem in Bezug auf das Wetter. Wir verfolgen täglich das Wetter in unserer Heimat und können uns über die wohltuenden Temperaturen hier nur freuen. Während unserer 6-wöchigen Reise durch Frankreich und Spanien erlebten wir konstante 28-32 Grad – ein Luxus, über den wir nicht klagen wollen. Dennoch sind uns die angenehmen 25 Grad, die wir am 14.10.2023 erlebten, durchaus willkommen. Ein leichter Regenschauer kündigte sich an, brachte jedoch nur eine vorübergehende Abkühlung, perfekt für Frühstück in T-Shirt und kurzer Hose.

Kontakt mit anderen Campern, um Informationen zur Überwinterung zu sammeln

Ende Oktober füllte sich der Campingplatz langsam mit deutschen und französischen Campern, die oft bis April bleiben. Unter ihnen ein Paar aus Dortmund, das bereits letztes Jahr hier überwinterte. Interessanterweise empfanden sie die Temperaturen noch als zu warm. Neugierig erkundigten wir uns nach ihren Erfahrungen mit dem Winterwetter, denn für uns ist dies absolutes Neuland. Die Bestätigung, dass es hier im Winter durchaus angenehme 20 Grad werden können, beruhigte uns. Allerdings kann es nachts auch unter 10 Grad abkühlen, gaben sie zu bedenken.

Unwetterwarnung und Vorsichtsmaßnahmen

Am 18.10.2023 erreichte uns eine Unwetterwarnung mit Böen bis zu 90 km/h. Auf Nummer sicher gehend, entfernten wir unseren Thule Sonnenschutz und fuhren die Markise ein. Auch das Bike2Care Klapprad, das wir für die Mobilität an Bord haben, wurde verstaut. Eine kluge Entscheidung, wie sich herausstellte. Obwohl in der Nacht der Wind aufkam und das Blätterrauschen zu laut für ein offenes Fenster war, blieben wir von schweren Sturmschäden verschont. Trotz unserer Stützen unter dem Heck, damit das Fahrzeug stabil steht, stellten wir ein leichtes Schwanken fest.

Strandspaziergänge und stachelige Überraschungen

Die Lust auf Strandspaziergänge trieb uns trotz des stürmischen Wetters an die Küste. Doch der Weg dorthin entpuppte sich als Herausforderung – der Strand war mit kleinen stacheligen „Sternchen“ übersät. Barfuß laufen? Kaum möglich! Badeschuhe wurden zum unverzichtbaren Accessoire.

Laufen am Strand nur mit Schuhen wegen den Stacheln. Vier Wochen Überwinterung in Spanien
Stacheln am Strand

Wind, Bäume und ihre Auswirkungen

Mehrere Tage lang begleitete uns starker Wind mit Geschwindigkeiten bis zu 90 km/h. Auf dem Rückweg zu unserem Wohnmobil stellten wir bei anderen Campern leichte Sturmschäden fest. Meistens waren es gerissene Planen oder eingeknickte Pavillons. Dank der vielen Bäume auf dem Campingplatz blieben wir vor solchen Schäden verschont, jedoch verhindern sie auch leider das Durchkommen der wärmenden Sonnenstrahlen.

Ein weiterer Nachteil der Bäume war das heruntertropfende Harz, das unser Wohnmobildach und die Solarpanele bedeckte. Wir besorgten uns deshalb speziellen Wohnmobilreiniger und eine ausziehbare Waschbürste. In unregelmäßigen Abständen befreiten wir das Fahrzeug von der klebrigen Masse.

Wohnmobildach mit Baumharz bedeckt
Wohnmobildach mit Baumharz bedeckt

WLAN Frust und eine engegierte Esther in der Anmeldung

Das Thema WLAN entwickelte sich zu einer kleinen Odyssee. Trotz einer WLAN-Antenne in unmittelbarer Nähe hatten wir durchweg schlechten Empfang. Esther von der Rezeption versuchte zu helfen, aber auch sie konnte das Problem nicht lösen. Angeblich waren Techniker vor Ort, aber eine Besserung stellte sich nicht ein. Screenshots wurden gemacht, Mails wurden geschrieben – doch die Verbindung blieb brüchig.

Einkaufsabenteuer in Motril

Für den Einkauf begaben wir uns auf eine 15 km lange Reise nach Motril. Hier fanden wir die bekannten Geschäfte wie Aldi, Lidl und Mercadona. Besonders letzterer wurde unser bevorzugtes Ziel. Die Strecke ließ sich gut mit E-Bike und E-Scooter bewältigen, was das Einkaufen zu einem Abenteuer machte. Auf das Trittbrett vom E-Scooter wurde kurzerhand eine Eurobox geschnallt, um darin die schweren Artikel zu transportieren. Der Rest kam in Rucksäcke.

4 Wochen Überwinterung, wir fahren mit dem E-Scooter einkaufen
Einkaufen mit dem E-Scooter im Mercadona

Ameiseninvasion und die Schlacht der Klebestreifen

Ein kleines Ärgernis machten uns winzige Ameisen im Wohnmobil, die plötzlich am zweiten Morgen überall herum krabbelten. Ihre Laufwege entdeckten wir außen an den Seitenwänden. Kurzerhand griffen wir zu Gaffatape und unterbrachen ihre Marschrouten, was die Ameisen aber wenig beeindruckte. Nun konnte nur noch die chemische Keule helfen. Wir fanden in Carchuna das Granulat „Serpa Contact GR“ und streuten es um die Reifen sowie die Stützen. Nach einer Woche waren wir fast befreit von den Ameisen, aber wir blieben wachsam.

4 Wochen Überwinterung mit Ameisen auf der Parzelle
Ameisen auf der Parzelle mit Gegenmittel bekämpfen

Austausch mit den Nachbarn und die Geheimwaffe der Spanier

Unsere Nachbarn hatten ähnliche Probleme mit Ameisen. Die Spanier nutzten ein Pulver namens „Tarin Insecticida En Polvo„. Unsere Recherche führte uns zum Amazon-Shop, wo wir dieses Wundermittel bestellten. Bis zur Lieferung hatte sich das Problem zwar sogut wie erledigt, dennoch streuten wir das Mittel vorsorglich aus und Ruhe kehrte ein.

Fazit nach 4 Wochen: Höhen und Tiefen unseres Abenteuers

Die ersten 4 Wochen in Andalusien waren wie eine Achterbahn der Emotionen. Die milden Temperaturen, die Begegnungen mit anderen Campern und die Natur entschädigten für die kleinen Widrigkeiten. Ameisen, Wind und WLAN Frust sind Teil unseres winterlichen Abenteuers. Doch die Vorfreude auf weitere sonnige Tage und die Gemeinschaft auf dem Campingplatz lassen uns zuversichtlich in die nächsten Wochen blicken. Jeder Tag birgt neue Entdeckungen – mal sehen, welche Geschichten wir euch beim nächsten Update erzählen können!

Nur soviel, wir hielten es 7 Wochen aus und machten uns dann kurzentschlossen auf den Weg zu einem anderen Campingplatz. Die Gründe für diese Enscheidung könnt ihr in „Neuer Campingplatz – warum wir zu einem anderen wechselten“ nachlesen.

Jochen Bake

Als Spätzünder habe ich erst mit 43 Jahren mit dem Reisen angefangen. Zuerst mit einem Wohnwagen und seit 2019 mit einem Hymer ML-T 620. Dabei wird versucht, so oft wie möglich frei zu stehen. Ging es bisher hauptsächlich nach Kroatien und Österreich, wird jetzt Albanien und deren Nachbarländer bereist. Seit 10/2023 haben wir unsere Jobs gekündigt und reisen das ganze Jahr durch Europa.

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