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Junge Familie lebt im Reisebus

Leben im Reisebus: Eine Familie auf Abenteuerreise

Wir stehen hier auf dem Area Camper La Ermita, umgeben von Gleichgesinnten, die genauso wie wir den Reiz des mobilen Lebens genießen. Viele haben wie wir ihren Job gekündigt oder sind bereits Rentner und überwintern im warmen Süden Spaniens. Über den Winter hier zu verweilen, ist für viele längst zur Tradition geworden, und so können wir fleißig Erfahrungen mit ihnen austauschen. Zum Beispiel mit einer jungen Familie, die ein Leben im Reisebus führt.

Ein Bus, zwei Kinder und eine spannende Geschichte

Eine junge Familie mit einem alten Reisebus weckte neulich unsere Neugier, als sie auf dem Campingplatz eintraf. Mit zwei quirligen Kindern an Bord wagten sie das Abenteuer Leben auf der Straße. Der erste Einparkversuch zwischen den tückisch platzierten Palmen endete beinahe fatal. Mit etwas Geschick und einer Prise Busfahrer-Erfahrung eines schwedischen Campers schafften sie es schließlich auf ihren Stellplatz.

Am nächsten Tag kamen wir mit Bartosz und Andrea, den fröhlichen Busnomaden, ins Gespräch. In unserem lockeren Plausch erfuhren wir mehr über ihre Reise, die von einem selbst ausgebauten Haus zu einem umgebauten Bus führte.

Vom Hausbau zum Lebensabenteuer

Bartosz, gelernter Schreiner, verließ seinen Montagejob, um mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Der Traum vom Leben im Reisebus entstand, als die politische Lage und die Pandemie ihre Perspektiven veränderten. Das Haus wurde verkauft, und der Weg führte zu einem Mercedesbus von 1981, der einst bei der Bundeswehr diente. Mit nur 200.000 Kilometern auf dem Tacho und einem fertigen Ausbau erfüllte er ihre Anforderungen.

Bartosz und Andrea Leben im Reisebus
Bartosz und Andrea Leben im Reisebus

Der vorherige Mercedes 310 wurde mit Erfolg verkauft, und mit dem Erlös finanzierten sie ihr neues Reisegefährt. Seitdem verbringen sie den Winter bereits zum zweiten Mal in Spanien und erfüllen sich ihren Traum vom Reisen. Dabei nehmen sie ihre Kinder mit auf ein Abenteuer, das sich viele nur in ihren Gedanken vorstellen können.

Schule, Selbstständigkeit und die Suche nach Alternativen

Andrea, mit pädagogischer Ausbildung, denkt über die schulische Zukunft ihrer Kinder nach. Derzeit nicht zufrieden mit dem deutschen Schulsystem, haben sich die beiden noch nicht aus Deutschland abgemeldet und überlegen, ob sie selbst unterrichten oder nach alternativen Bildungsmöglichkeiten suchen sollen.

Aktuell befinden sie sich auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Die Ersparnisse schwinden zwar von Monat zu Monat, aber die Freiheit, die sie gewonnen haben, ist ihnen jeden Cent wert.

Ein Abschied, der auf ein Wiedersehen hoffen lässt

Nach einigen gemeinsamen Tagen entschied sich die Familie, weiterzuziehen. Der Morgen, an dem sie sich von uns verabschiedeten, hinterließ eine Mischung aus Wehmut und Freude. Wir hoffen, dass sich unsere Wege irgendwann wieder kreuzen und werden weiterhin in Kontakt bleiben und ihr Leben im Reisebus verfolgen. Wer weiß, vielleicht sieht man sich spätestens nächstes Jahr zum Überwintern in Spanien wieder.

Ein Leben im Reisebus ist nicht nur eine Möglichkeit, dem Alltag zu entfliehen, sondern auch eine Reise zu sich selbst und zu den Menschen, die einem auf diesem Weg begegnen. In der Gemeinschaft auf Campingplätzen wie diesem erleben wir die Vielfalt der Lebensentwürfe und lassen uns von den Geschichten anderer inspirieren. Das Abenteuer lebt weiter – vielleicht schon bei unserem nächsten Stopp. Bis bald!

Jochen Bake

Als Spätzünder habe ich erst mit 43 Jahren mit dem Reisen angefangen. Zuerst mit einem Wohnwagen und seit 2019 mit einem Hymer ML-T 620. Dabei wird versucht, so oft wie möglich frei zu stehen. Ging es bisher hauptsächlich nach Kroatien und Österreich, wird jetzt Albanien und deren Nachbarländer bereist. Seit 10/2023 haben wir unsere Jobs gekündigt und reisen das ganze Jahr durch Europa.

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